Einer Studie der Ellen MacArthur Foundation zufolge landen jedes Jahr rund acht Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen, was  ungefähr einer Lkw-Ladung pro Minute entspricht. Dem Bericht zufolge kommt bereits 2025 auf drei Tonnen Fisch im Meer eine Tonne Müll. 2050 wird die Lage noch extremer sein. Laut Ellen MacArthur könnte der Müll dann sogar überwiegen.

Quelle: http://www.n-tv.de/, 28. Juni 2016

Frage & Antwort, Nr. 437

Warum sind einsame Strände voller Müll?

Von Andrea Schorsch

Kaum jemand verirrt sich dorthin und doch hinterlässt der Mensch deutlich sichtbare Spuren: Müll auf jedem Quadratzentimeter. Größtenteils ist er aus Plastik. Wie kommt er in dieser Menge an einen einsamen Strand?

Mathias Peer stellt diese Frage in einem Video des vielbeachteten 8MRD-Blogs. Der in Bangkok lebende Journalist hat dabei vor allem asiatische Strände im Blick – zum Beispiel den im Süden der thailändischen Insel Koh Chang. Peer findet dort unzählige Plastikflaschen sowie Styropor und anderen Müll. Von Badegästen stammt der nicht. Doch woher dann?

Peer hat die Antwort selbst parat: „Der Abfall wird vom Meer angeschwemmt.“ Aus einem Bericht der Ellen MacArthur Foundation zitierend, der im Januar auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos vorgestellt wurde, fügt er hinzu: „Jedes Jahr landen rund acht Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen – das ist ungefähr eine Lkw-Ladung in jeder Minute.“ Dem Bericht zufolge kommt bereits 2025 auf drei Tonnen Fisch im Meer eine Tonne Müll. „2050 ist die Lage noch extremer“, so Peer. „Dann halten sich Fisch und Müll im Meer die Waage.“ Laut Ellen MacArthur könnte der Müll dann sogar überwiegen.

Recycling hat seinen Preis

Der größte Teil des Abfalls stammt aus einer vergleichsweise kleinen Region der Erde. Das geht aus einem anderen Report hervor, dem der Organisation Ocean Conservancy vom September 2015. Demnach sind es gerade einmal fünf Länder, die die Hauptverantwortung tragen: China, Indonesien, die Philippinen, Thailand und Vietnam. „Sie stehen für 60 Prozent des gesamten Plastikmülls, der in den Meeren landet“, fasst Peer eines der Studienergebnisse zusammen. Es sind Länder, die wirtschaftlich rapide wachsen. In Indonesien, weiß Frederic Spohr, ebenfalls Asien-Experte und 8MRD-Reporter, gehen jährlich rund zehn Milliarden Plastiktüten über die Ladentheke, recycelt würden sie so gut wie nie. Nur in China gelange noch mehr Plastik in den Ozean. Dabei, so hebt Spohr hervor, sei der Pro-Kopf-Verbrauch an Plastik in den asiatischen Schwellenländern noch viel geringer als in Europa oder den USA. „Doch im Gegensatz zu den Industriestaaten existiert in den Schwellenländern keinerlei Recycling-System.“ Sollten die „Big Five“, die fünf hauptverantwortlichen Staaten, dann nicht von vornherein weniger Müll verursachen? Mathias Peer hält diese Option für nicht realistisch. „In den Schwellenländern können sich immer mehr Menschen Konsumartikel leisten“, sagt er. „Der Müllberg wird deshalb immer größer.“ Die Abfallentsorgung sei es, die dringend besser werden müsse. Machten die fünf Länder mit, könne sich die Müllmenge in den Ozeanen innerhalb von zehn Jahren beinahe halbieren. Allerdings hat das Recycling auch seinen Preis: Laut Ocean Conservancy fielen für bessere Entsorgungssysteme jährlich rund fünf Milliarden US-Dollar an.

Plastik landet auf dem Teller

Aber selbst dort, wo Wiederverwertung groß geschrieben wird, ist Plastik im Wasser ein Thema – so zum Beispiel in Deutschland: „Trotz hoher Recyclingquoten findet sich Plastikmüll überall in unserer Umwelt, auf Feldern, in Seen und Flüssen, und landet schließlich zu einem erheblichen Teil in unseren Meeren“, so das Bundesforschungsministerium (BMBF). Einmal im Ozean, setzt ein folgenreicher Prozess ein: Sonne, Salzwasser und Wellen zerreiben das Plastik in immer kleinere Teile. Gelangen die Partikel schließlich in einen der riesigen Meereswirbel, wie es sie im Pazifik, Atlantik und dem Indischen Ozean gibt, verlassen sie diesen Wirbel nicht mehr. Die Plastikteilchen werden kleiner und kleiner gemahlen, bis hin zu Pulver. Das birgt Gefahren: Muscheln, Krebse und Fische verwechseln das Plastik mit Plankton und fressen es. Auch ernährt sich das Plankton selbst mitunter von Plastikpulver. So gelangt der Kunststoff in die Nahrungskette und landet letztlich beim Menschen auf dem Teller – zusammen übrigens mit krebserregenden Chemikalien wie DDT, denn mit denen saugen sich die Plastikteilchen im Meer voll. Plastikpartikel finden sich folglich überall: im Wasser, in zahlreichen Fischarten, an Stränden, selbst in der Arktis. Der größte Teil des Plastikmülls aber – rund 70 Prozent nämlich – sinkt auf den Meeresgrund. Welche Auswirkungen das hat, ist noch unbekannt. Ebenso ungeklärt ist laut BMBF, „wie groß unser ‚Plastik-Fußabdruck‘ tatsächlich ist“. Und auch die daraus resultierenden Risiken für das Leben in Gewässern und Meeren oder für den Menschen sind nicht im Detail bekannt. Deswegen fördert das BMBF Projekte, die die Wege des Plastiks von seiner Herstellung bis zum Verbleib in den Meeren wissenschaftlich untersuchen. Ziel ist es langfristig, weltweit den Plastikmüll in der Umwelt zu reduzieren. Wie man am besten gegen das Plastik vorgeht, das bereits in die Ozeane gelangt ist, weiß man noch nicht. Eines aber steht fest: Die Natur selbst hat keine Mechanismen, um die zahllosen Partikel abzubauen.

Quelle: n-tv.de